Foto: Michael Haalbeck

Gedanken zur Woche

11.07.2016

Gedanken zur Woche von Pastor Christoph Tischmeyer aus der Kirchengemeinde Thumby-Struxdorf

Angst frisst die Seele auf

Angst ist allgegenwärtig: Kleine Terror-Zellen des „IS“ im Westen zerstören unser Sicherheitsgefühl, mit jedem neuen Anschlag mehr. Viele Flüchtlinge aus dem arabisch-muslimischen Kultur- und Sprachraum drängen auf der Suche nach einem Ort zum Leben in Richtung Europa. Feste Stellen mit Kündigungsschutz werden mit ein paar Arbeitgeber-Tricks in Zeitarbeitsverhältnisse umgewandelt, natürlich mit schlechterer Bezahlung. Dazu nun noch der unfassbare Brexit, dessen Folgen noch keiner einschätzen kann – aber unsere Phantasie malt schon mal die düstersten Farben. Seit einem dreiviertel Jahr drängen die Angst-Schürer nach vorne: Sie heißen Gauland und Höcke, Le Pen und Hofer, Farage und Johnson. Und Scharen von Menschen folgen ihnen. Das ist eine Form der Angst-Bearbeitung: Wo es scheinbar klare und einfache Antworten auf komplizierte Fragen gibt, da kann sich meine Angst ein wenig beruhigen. Aber: Machen wir uns klar: Die Errungenschaften der letzten 70 Jahre sind dadurch in Gefahr, das ist ein geeintes Europa und unsere Demokratie (mit der Freiheit zur persönlichen Entfaltung). Beides wird durch die einfachen Antworten der Angst-Schürer in Frage gestellt. Minderheiten, die immer eines besonderen Schutzes bedürfen, werden angegriffen, ganze Religionsgemeinschaften werden als extremistisch diffamiert; die Sprache verroht… Ist das wirklich der Weg, den wir gehen wollen oder akzeptieren müssen? 

Franklin D. Roosevelt hat einst gesagt: „Das einzige, was wir fürchten müssen, ist die Furcht selbst.“ Weil Angst die Seele auffrisst. Mit einer angeknabberten Seele aber ist nicht gut leben. Langsam könnten wir lernen, dass Furcht herbeiführt, was sie am meisten fürchtet. Als Beispiel mag das Erwachen Großbritanniens nach dem Brexit-Votum gelten.

Es gilt also, mit den eigenen Ängsten einen guten Umgang zu finden, damit sie mich nicht lähmen. Damit sie mein Herz nicht verschließen. Wenn ich Angst in mir aufsteigen fühle, wende ich sie zu Gott und bitte darum, dass ich sie überwinden kann, dass ich wieder frei werde von ihr. Warum wohl ist eines der am häufigsten wiederholten Bibelworte der Satz der Propheten und Engel: „Fürchte dich nicht“? Denn: „Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (1.Tim 1,7)