Gedanken zur Woche
21.07.2016
Gedanken zur Woche von Pastor Michael Jordan, theologischer Referent in der Bischofskanzlei in Schleswig.
Eintreten für den Frieden
„Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland bezeugt die bleibende Treue Gottes zu seinem Volk Israel. Sie bleibt im Hören auf Gottes Weisung und in der Hoffnung auf die Vollendung der Gottesherrschaft mit ihm verbunden.“ So steht es in der Präambel der Verfassung der Nordkirche. Nach einem dreijährigen, intensiven Konsultations- und Abstimmungsprozess waren diese Sätze im Jahr 2002 als Zusatz in die Präambel der damaligen nordelbischen Kirche aufgenommen worden.
Als Vikar war ich mit meinem Gemeindeprojekt daran beteiligt. Über die Jahre hinweg gab es immer wieder Begegnungen mit Jüdinnen und Juden, in Deutschland wie in Israel. Besuche und Gegenbesuche der Jerusalemer jüdischen Har-El-Gemeinde mit ihrer Rabbinerin Ada Zavidov und dem Kantor Evan Cohen (s. Foto) gehörten dazu. Zu dieser Gemeinde wird seit Jahren eine intensive Partnerschaft des Kirchenkreises Schleswig-Flensburg gepflegt.
An diesem Sonntag, dem „Israelsonntag“, werden in den Kirchen der Nordkirche die besondere Beziehung Gottes zum Volk Israel und das Verhältnis von Christen und Juden thematisiert. In diesen Tagen, in denen auch unser Land von Terroranschlägen erschüttert wird, müssen wir gerade als Religionsgemeinschaften zusammen stehen und für den Frieden eintreten.
Ich setze dabei auf die friedensstiftende Kraft der Religionen, auf ein Eintreten für die Werte, die unsere Gesellschaft zusammen halten. Nur Seite an Seite können wir den Taten der Gewalt entgegentreten, die blasphemisch und missbräuchlich „im Namen Gottes“ begangen werden. Tage wie der Israelsonntag erinnern uns an die Kraft des Friedens, die aus dem Studium der Bibel, dem kritischen Austausch darüber und dem gemeinsamen Lob Gottes erwächst.