Foto: Wolfgang Pittkowski

Gedanken zur Woche: "Ich bin gern Gast auf dieser Erde"

30.09.2017

Gedanken zur Woche von Pastor Joachim Thieme-Hachmann, Schleswig

Ich liebe den Herbst. Die Farben der Bäume und Büsche. Die Gerüche und Geschmäcker de Früchte. Die Spaziergänge mit unserem Hund durch Regen und Wind. Ich freue mich darauf, mit meinen Kindern Apfelmus einzukochen oder einen kräftigen Eintopf zusammenzurühren. Ich bin gerne Gast auf dieser Erde.

In den Kirchen hängen morgen wieder die Erntekronen. Ich stelle mir vor, wie unter den in manchen Dörfern noch selbstgebunden Kronen sich die Erntegaben auftürmen. Ein Brot, das der örtliche Bäcker gestiftet hat. Strohballen, die jemand besorgt hat. Äpfel, die die Kinder aus dem Kindergarten herbei gebracht haben. Eine Fülle von Weintrauben. Große Kürbisse und Kohlköpfe. Und vieles mehr… Gott ist ein guter Gastgeber.

„Wir ernten, was wir gesät haben“. Es ist schön, die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit zu genießen. Ich freue mich über das, was mir gelungen ist. Ich bin dankbar für gute Erfahrungen. Ich fühle mich im Einklang mit der Natur, von der ich lebe, und getragen von dem Grund des Lebens. Ich bin gerne Gast auf dieser Erde.

„Wir ernten, was wir gesät haben“. Eine unbarmherzige Wahrheit. Unter der Erntekrone mit ihren dunklen Schleifen wird mir bewusst, wie jeder von uns mit und von den Folgen seines Tuns und dessen, was wir nicht beeinflussen konnten, leben muss. Die verregnete Apfelernte dieses Jahres. Leidvolle Erfahrungen der eigenen Familiengeschichte. Unsere Kinder werden Gäste auf einer Erde sein, die gezeichnet ist von der Ausbeutung durch frühere Generationen.

Ich blicke wieder auf die Erntekrone. Auf den Reichtum der Gaben darunter. Ich spüre die Freude der Kinder und stimme ein in die fröhlichen Lieder dieses Tages. Ich bin gerne ein Gast auf dieser Erde.

Gott ist ein guter Gastgeber. „Es war mir ein Vergnügen“, sagt er (Lothar Zenetti).