" Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch" (1.Petrus 5,7)
12.10.2023
„Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch“ (1. Petrus 5,7)
Wenn man im Urlaub oder auf Reisen ist, wie viele von uns in den letzten Sommermonaten, dann geht einem so ein Satz, glaube ich, viel leichter von den Lippen. Vertrauensvoll und voller freudiger Erwartung, was der heutige Tag wohl so alles bringen wird, geht der Blick weniger aufs Smartphone und gar nicht mal so sehr viel weiter als bis zur Frage: Wo gibt es hier ein leckeres Panini oder den nächsten Aperol? Und wenn dann der Preis doch etwas höher ausfällt als erwartet – naja, dann ist das halt so. Und schon treibt man weiter. Erst wenn man dann kurz vor dem Rückweg ist, da ploppt dann einiges auf, was vorher weniger präsent war. Oder zumindest nicht immer oben auflag. Manchmal hilft da schon das Aussprechen dieser Sorgen, die dann wieder alle auf einen einstürmen nach so einer Atempause. Denn das „Werfen“ von Sorgen klappt natürlich so gar nicht, wenn ich alles in mir verschließe. Indem ich Belastendes ausspreche, von mir werfe, auf Gott und meine Nächsten – die ja nicht zu vergessen auch
Ebenbilder Gottes sind und damit auch einen kleinen Anteil an seinen Aufgaben haben – , da lösen sich manchmal schon einige der Sorgen auf. Im Kopf oder sogar ganz praktisch.
Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“ Ja, im Urlaub auf Reisen fällt das leichter. Aber so zurück im Alltag, auch zurück in den Newsfeeds und Social Media Accounts, da mag das für viele Menschen eine steile Aussage sein. Da stellt sich einigen sicher die Frage, wie auch mir: Wo hilft denn Gott in Israel und im Gazastreifen, in der Ukraine?
Wo sorgt Gott für die Menschen in Afghanistan oder Libyen?
Wo ist er gewesen, als die Wähler*innen in Bayern und Hessen abgestimmt haben, und jetzt, wo diese Wahlergebnisse viele andere in Sorgen stürzen? Denn auch überall hier werden so viele Gebete zu Gott gehen, mit der Bitte um Beistand und Hilfe.
So viele Sorgen. Nahe und ferne. Und ich, wir mittendrin. Und dann so ein Satz: „Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“
Puh… Ja, bei all dem die Sorgen einfach so hinter sich zu lassen, sie wegzuwerfen, das fällt schwer. Aber so ist diese Aussage Jesu aus der Bergpredigt auch nicht gemeint. Ihmgeht es bei den Sorgen, die wir ruhig loslassen sollen, um etwas anderes: die Dinge, die das Streben nach dem „Reich Gottes“ behindern.
Die stören, wenn es darum gehen sollte, das größere Ganze im Blick zu haben. Es geht also nicht darum, leichtfertig in den Tag hineinzuleben.
Das kann man auch daran sehen,dass kurz darauf auch nochmal im Text steht:
„Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat“.
Ja, das ist so. Das erleben wir immer wieder schmerzhaft. Aber erstens sind wir dazu angehalten, uns auf das Wichtige zu fokussieren, auf das, worauf wir Einfluss haben und wo wir etwas verändern können. Und da mitanzupacken. Und zu beten. Immer im Blick darauf, was im Sinne Gottes ist. Stichwort Nächstenliebe zum Beispiel. Grenzen abbauen. Und zweitens: wir dürfen nicht vergessen, dass wir nicht allein unterwegs sind! Werfen wir unsere Sorgen von uns und teilen sie, ringen vielleicht sogar um sie miteinander. Und nicht zuletzt: Werfen wir sie auf Gott. Bitten wir ihn, uns da zu begleiten. Damit wir an jedem Tag ein Stück weiter mitbauen an Gottes Reich.
Ihr Vikar Hinnerk Husmann